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Titel


Danijela Brekalo

"Hast du Lust Theater zu spielen?" fragte mich der weißhaarige, weise, weitherzige Willy Franken, als ich im Januar 1993 zur "Studiobühne Düsseldorf" stieß. Ich dachte nicht im Entferntesten daran, dass ich mich bereits mitten im Spiel befand und mir dieser simple Satz eine völlig fremde und wundersame Welt eröffnen sollte, eine Welt der gelebten Poesie. Ich war gerade zwanzig Jahre alt, wenig bühnen- und gar nicht schauspielerfahren. Doch ich verspürte Neugier und an jenem Winterabend eine unglaublich starke Anziehungskraft, die von diesem leidenschaftlichen Sprach- und Theaterkünstler ausging und mir das Gefühl gab, dass ich gerade an jenem Ort, in der "Studiobühne", richtig sei. "Hast Du Lust Theater zu spielen?", fragte mich der greise Mime mit veränderter Betonung. Eine Gänsehaut überfiel mich. Schließlich stellte er die Frage ein drittes Mal: "Hast du Lust Theater zu spielen, poetisches Theater?" - "Ja, kann man denn Poesie spielen?" fragte ich erstaunt. "Du kannst", sagte er aufatmend.

Ich habe Herrn Frankens Theaterpoesie vertraut und dabei viel erfahren, unglaublich viel gelernt, z.B. den Unterschied zwischen Theaterlaien und echten Amateuren, das Mit- und Füreinander im Spiel, die Weise, wie man Musik spricht, das Zug-um-Zug-Prinzip, das Atmen, die Verwandlung in Tochter und Mutter, in Schwester und Geliebte, in Engel und Hure und gar in einen geisteskranken Physiker und Spion. Was die "Studiobühne" für mich zu einer besonderen Theatergruppe macht, ist neben dem hohen künstlerischen Anspruch das äußerst fruchtbare Zusammenspiel verschiedener Generationen und ein sozial verantwortungsvolles Denken, das auch jenes Publikum zu erreichen sucht, das in Altenbegegnungsstätten, Seniorenheimen und Hospizen gerne vergessen wird.

Die Spielleidenschaft eines 81jährigen homo ludens hat meine eigene entflammt und brennt auch heute, nach fast fünfzehn Jahren, unvermindert weiter. Vielleicht spürst auch du diese Leidenschaft in dir?

Hast du Lust Theater zu spielen?

Danijela
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